Gestern jährte sich die Machtergreifung Muammar al-Gaddafis zum vierzigsten Mal. Damals putschte sich Gaddafi in einer unblutigen Aktion zum Staatsoberhaupt von Libyen, einem der flächengrößten Staaten von Afrika. Der damalige König war alt und die Revolution unkompliziert.

Dies war der Grund, weshalb gestern in Tripolis, der Hauptstadt des nordafrikanischen Staates Libyen, die Feierlichkeiten begangen wurden. Auf Diplomaten aus westlichen Staaten musste der Diktator, der gerne jene verklagt, die ihn so bezeichnen, jedoch verzichten. Überhaupt sind die Beziehungen zum Westen nicht so freundschaftlich, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Allein Hugo Chávez, Staatspräsident von Venezuela, kam vorbei, um dem “König von Afrika”, wie sich Gaddafi selbst einmal nannte zum Dienstjubiläum zu gratulieren.

Gaddafi ohne Turban

Gaddafi ohne Turban

Doch auch Italien war vertreten. Zwar wurde kein Offizieller geschickt, doch anscheinend fühlte sich die Regierung aufgrund der kolonialen Vergangenheit verpflichtet, ihre berühmte Fliegerstaffel zu entsenden, um eine Flugschau zu Ehren des ewigen Revolutionsführers zu veranstalten. Aus dem gleichen Grund baut Italien eine hunderte Kilometer lange Küstenautobahn für Libyen. Und überhaupt verstehen sich Berlusconi und Gaddafi ja ausnehmend gut.

Nicht ganz so beliebt wie in Rom ist Gaddafi dagegen in der Schweiz. Dort wurde sein Sohn Hannibal verhaftet, nachdem er zwei Angestellte verprügelt hatte. Aber lange musste er dies nicht hinnehmen, da sein Vater kam und mit dickem Scheckbuch und Holzhammerdiplomatie seinen Sohn zurückzuholen.

Dass 40 Jahre Revolution gleichzeitig auch 40 Jahre Gaddafi bedeuten, kommt nicht von Ungefähr. Denn es gibt in Libyen keine Parteiendemokratie. Faktisch steht Gaddafi dem Land vor wie ein König. Parteien sind verboten und unnötig, wie er letztens auch seinem Busenkumpel Berlusconi beim Staatsbesuch in Italien deutlich gemacht hat. Dieser wird es mit Interesse aufgenommen haben.

Mit seinen bunten Gewändern, seinen überbordenden Turbanen, der Selbstinszenierung, seinen Capricen wie den Übernachtungen beim Besuch anderer Länder in deren Parks (natürlich im luxuriösen Zelt) erinnert Gaddafi mehr und mehr an einen alternden Rockstar und teilt damit das Schicksal vieler Revolutionsführer. Und einfacher werden diese Rockstars nicht, die ihre große Zeit meist hinter sich haben. Doch wie soll es nun weiter gehen, wenn Gaddafi mal nicht mehr regiert? Wahrscheinlich ähnlich wie in Kuba, denn auch der libysche Staatschef baut seinen Sohn Saif al-Islam zu seinem Nachfolger auf. Ob er es schaffen wird, dieses an Energie reichen Land und seiner Bevölkerung endlich etwas Wohlstand zu bringen? Oder wird er auch einfach nur in goldenen Roben durch die Welt schreiten und sein Haupt weich betten, während die meisten Libyer bitterarm um ihre Existenz fürchten? Wer weiß.

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