Gerade packt mich die Sehnsucht nach Afrika wieder mehr als sonst. Wen sollte das auch verwundern, schließlich ist es hier in Deutschland gerade so kalt, dass sich selbst eingefleischte Wintersportler doch heimlich Desktophintergründe mit Palmen, Meer, Sand und vor allem Sonne anschauen. Ganz besonders Westafrika ist bekannt für fantastische Strände, doch gerade Westafrika hat mit seinen Problemen zu kämpfen.
In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas, beispielsweise lässt sich der amtierende Präsident Umaru Yar’Adua seit Monaten wegen einer Krankheit in Saudi-Arabien behandeln. Seine Präsidialvollmachten hat er aber nicht an seinen Vize Goodluck Jonathan (heißt wirklich so) weitergegeben. Damit steht ein Land voller Bodenschätze, wirtschaftlicher Bedeutung, großer Bevölkerung und vielen Problemen völlig ohne Führung da.
Jetzt kann man sich fragen, ob das hier in Deutschland denn so schlimm wäre, wenn unser Präsident Herr Köhler ein paar Wochen weg wäre. Wahrscheinlich nicht, aber unsere Staatsform ist auch nicht mit der Nigerias zu vergleichen, wo mehr oder weniger alles am Präsidenten wie einem König hängt.
Doch warum gibt der Präsident denn seinem Vize nicht einfach die Vollmachten? Hierzu muss man wohl zwei Punkte beachten: erstens hängen die großen Präsidenten an ihren Posten wie der Junkie an der Nadel. Da werden Verfassungen geändert, um länger an der Macht bleiben zu können, Gegner ausgeschaltet, königgleiche Zeremonien abgehalten. Zweitens aber sind viele afrikanische Staaten keinesfalls aus sich heraus und als Zusammenschluss gleicher Kulturen entstanden, sondern die Kolonialherren zogen ihre Grenzen entlang Längen- und Breitengraden oder Flüssen und vereinigten Völker in einem Staat, die sich spinnefeind waren. Das sieht man seit Jahren deutlich im Sudan, und der Genozid in Rwanda ist sicher auch noch vielen im Gedächtnis.
In Nigeria und zwischen seine ersten beiden Männern im Staat verläuft ein tiefer Graben: die Religion. Yar’Adua ist ein Moslem aus dem Norden Nigerias, Jonathan ein Christ aus dem Süden des afrikanischen Landes.
Es geht heiß her in Afrikas an Bodenschätzen reichen Westen. Die Wettervorhersage für Berlin in den nächsten Tagen: -16 Grad. Ich schaue mir noch ein bisschen den Strand Westafrikas auf Bildern an.





