Es muss ein bizarres Bild gewesen sein, als die amerikanische Pop-Diva, frisch geschieden, aus ihrem Privatjet auf dem Flughafen in Malawis Hauptstadt Lilongwe stieg. Auf ihrer Mission, wieder ein Kind zu adoptieren, soll es diesmal bitte in Mädchen sein.
Denn es war ja nicht das erste Mal, dass die mittlerweile Fünfzigjährige in dem kleinen Staat in Südostafrika einschwebte, um ein Kind ihrer Familie hinzuzufügen. Neben ihren leiblichen Kindern Rocco (von Vater Guy Ritchie) und Lourdes (von Vater Carlos Leon) adoptierte Madonna im Jahr 2006 bereits David Banda aus Malawi. Sie sei jetzt zurückgekommen, weil viele Leute es gut fänden, wenn sie ihm ein kleines afrikanisches Geschwisterchen adoptierte, erklärte Madonna.
Doch bereits bei der ersten Adoption gab es auch viele kritische Stimmen. Ist es denn wirklich gut, ein Kind seiner Heimat zu entreißen und ihm ein Leben sicher ohne finanziellen Sorgen, dafür aber unter dem enormen Druck, Adoptivsohn im Zirkus der Medien um die berühmte Mutter zu sein, zu bieten? Oder wäre das Kind in seiner Großfamilie besser aufgehoben, auch wenn die Mutter gestorben ist?
Vielfach wurde damals bereits darüber diskutiert, wie die Adoption ablief. Richtige Regelungen für die Adoption ins Ausland gab es nicht, böse Zungen behaupten, dass der für seine Ungeduld bekannte Pop-Star Malawi auch deswegen ausgewählt hat, um schnell und unkompliziert sich einen Wunsch erfüllen zu können. Und tatsächlich hat sich der afrikanische Staat eher den Wünschen der reichen weißen Frau gebeugt, als dass sie sich an den Gesetzen des Staates orientiert hätte. Ganz dem Madonnaschen Credo nach, “Ich mache mir die Welt, wie ich sie will”, hat sie dafür gesorgt, dass Verfahrensregeln gebrochen und Ausnahmen gemacht wurden. Ihre außergewöhnlich gute finanzielle Lage war sicher auch nicht hinderlich.
Und irgendwie erinnert dieses Szenario wieder an längst vergangen gewähnte Zeiten, als die Kolonialherren kamen und den Kontinent so biegen wollten, wie er ihnen gefiel. Und nun will eine mehrfach geliftete Unterhaltungskünstlerin nunmal noch ein Kind. Und es soll diesmal ein Mädchen sein. Immer vorne ist sie, trägt die angesagtesten Klamotten, prägt die Mode und die Musik. Und vielleicht so, wie sie die Must-have-Stiefel dieses Jahres kaufen muss, muss sie auch das derzeit angesagteste Accessoire besitzen, ein Adoptivmädchen aus einem Entwicklungsland. Hier bleibt eindeutig ein bitterer Beigeschmack.
Informationen zu Malawi:
Malawi liegt in Südostafrika entlang des Malawisees. Es ist verhältnismäßig klein, wenn man es mit seinen Nachbarn wie z. B. Mosambik vergleicht und beherbergt auf einer Fläche ungefähr der Größe Bulgariens etwa 13 Millionen Einwohner. Da es so gut wie keine Bodenschätze hat, gehört Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt.
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[...] seinen Willen bekommen. Doch so ganz koscher will einem das Ganze nicht erscheinen. Die Pläne der Adoption eines Mädchens aus Malawi standen ja schon länger und genau so lange waren sie umstritten. Die liebevoller Mutter Madonna [...]